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Blattaustrieb

Neben den vielen Blüten fasziniert im Frühjahr der Blattaustrieb der Laubbäume. Waren die Bäume und Wälder noch vor Wochen ganz winterkahl, sind die sie nun in wenigen Tagen ergrünt. Da jede Art einen etwas anderen Zeitraum bevorzugt, zieht sich der Prozess über Wochen hin. Meist beginnt das Ergrünen der Bäume mit der Blüte (dazu habe ich vor Wochen eine „Anregung“ verfasst), doch bald erscheinen die Blätter und entfalten sich. Wie schaffen es die Pflanzen, so schnell ihre Blätter hervorzubringen?

Die Blätter und Ästchen, die im Frühjahr erscheinen, sind in den Knospen schon weitgehend angelegt. Sie werden also nicht erst beim Austrieb gebildet, sondern sind in den schützenden Knospen vorbereitet. Sie bestehen mit ihren inneren Strukturen schon – für uns noch verborgen. Die Knospen sind für Wildtiere eine wertvolle, konzentrierte Winternahrung, da sie viele Nährstoffe enthalten, die die Gehölze vor dem herbstlichen Laubfall in die überdauernden Organe wie die Knospen zurückgezogen hatten.

Alles ist in den Knospen auf engstem Raum einander geschmiegt, so dass der Baum „nur“ Wasser vom reichlichen Frühjahrsregen in die Strukturen pumpen muss, um die zusammengefalteten Anlagen zu vergrößern und zur funktionsfähigen Form zu entwickeln. Ganz so einfach ist es in der Natur dann doch nicht. Das Gehölz lenkt aktiv Wasser in die Knospen, die sich zunächst zaghaft erweitern und anschwellen, aber erst aufbrechen, wenn die richtige Zeit gekommen ist. In wenigen Tagen haben sich die Ästchen gestreckt. Sie sind zwar anfangs lasch, verholzen aber alsbald. Die Blätter sind aus dem engen Gefängnis befreit und entfalten ihre Spreiten.

Zu Beginn sind die Blätter noch nicht ausgereift. Ihre Farbe ist gelblichgrün, die bei Sonnenschein ein mildes, angenehmes Licht im Waldesinneren erzeugt. Nun wenige Tage hält dieser fast zauberhafte Zustand an, schnell reifen die zarten Blätter nach. Sie bekommen in den Zellen immer mehr Chloroplasten, die Träger des Chlorophylls („Blattgrün“), und färben aus – das Grün der Blätter wird intensiver, dunkler. Gleichzeitig festigt das Blatt seine innere Struktur, wächst heran, um bis zum Herbst Licht einzufangen.

Auf dem Bild oben sind frisch ausgetriebene Buchenzweige zu sehen. Die Buche sind neben Linden und Eschen die letzten austreibenden Laubbäume (ihr Austrieb erreicht gerade den Hochschwarzwald). Sie wollen eigentlich den Eisheiligen Mitte Mai entgehen, denn ihr junges, hell durchscheinendes und am Blattrand flaumig behaartes Laub ist sehr frostempfindlich. Das gelingt den Bäumen nicht immer, weshalb Buchen in regelmäßig frostigen Lagen kaum Chancen auf gutes Gedeihen haben.

Schwarzwaldverein 9.5.2023


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